19.I.1916 „Schade, dass die Herrlichkeit nur 10 Tage dauert“

Wolfgang Husserl an M. und E. Husserl, 19. I. 1916

Liebe Eltern!                                                                             Etain, den 19. 1. 1916

… Augenblicklich vertrete ich den Bataillonsbaumeister Leutnant Wendelstadt, der auf Urlaub gefahren ist. Der Bau von betonierten Unterständen und einigen anderen Arbeiten werden nicht von den Kompanien selbst ausgeführt, sondern von diesen entnommenen dauernden Arbeitstrupps, 10-15 Mann stark, also jetzt unter meiner Leitung. Über 100 Mann unterstehen mir. Die Aufsicht und Leitung ist da natürlich bedeutend schwieriger als im Zuge, da man mehr Leute und Arbeitsstellen, die sehr verstreut liegen, unter sich hat. Die Arbeit ist etwa folgendermaßen eingeteilt: Ein Trupp arbeitet in Etain auf dem Zimmerplatz und macht die Holzarbeiten (Gerüste und Deckbalken der Unterstände, außerdem für die Kompanien Tischlerarbeiten, Wegweisertafeln u. ä.). Dann haben wir eine eigene Schmiede in Betrieb, die Reparaturen an den Loren, Scharniere für Türen und vieles andere macht. Ein eigener Trupp befördert auf den Feldbahngleisen in Loren Material, Sand, Schotter und Zement, rauf. Ein Trupp baut die Strecke weiter aus und bessert sie aus – die wichtigste Arbeit, da vom Zustand der Strecke das bequeme Gehen der Pferde abhängt, die sehr geschont werden müssen. Endlich noch Schachttrupps, die die Baugruben der Unterstände ausheben und eigentliche Betonierungstrupps. Ihr seht also, dass das ein großer Betrieb ist und man muss sehr hinterher sein, wenn alles klappen soll. Ich muss mich natürlich erst einarbeiten. So eine Tätigkeit sagt mir natürlich sehr zu. Neulich war ich Logierbesuch für eine Nacht der 1. Kompanie auf Schanze IV, was sehr nett war. Sonst nichts Neues. Bitte mir mein Rasierzeug zu schicken!

W.

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